Schärer Linder

12.10.2020

«Die Halle schliesst eine grosse Lücke»

Die neue Halle würde Platz für 4000 Zuschauerinnen und Zuschauer bieten. Bild: PD

Die neue Halle würde Platz für 4000 Zuschauerinnen und Zuschauer bieten. Bild: PD

Ende November stimmt Kriens darüber ab, ob die Pilatus-Arena gebaut werden kann. Der Geschäftsführer des HC Kriens-Luzern spricht im Interview über die Chancen der neuen Halle und die Zukunft seines Vereins.

Für den HC Kriens-Luzern stehen am 29. November bei der Abstimmung über das Referendum zum Bebauungsplan und zur Teilzonenplanänderung die Zukunft und die Existenz im Spitzenhandball auf dem Spiel. «Ohne Halle würde das Überleben für uns sehr schwierig, wir haben infrastrukturell grösste Probleme und können den Sponsoren in den vorhandenen Turnhallen keinen Gegenwert bieten», so Nick Christen. Der HCKL-CEO betont weiter, dass neben der Stadt Kriens und der Region Zentralschweiz der ganze Indoorsport stark von der neuen Infrastruktur profitieren würde und selbstverständlich auch kulturelle Anlässe in der Multifunktionshalle möglich sind. 

Nick Christen, weshalb ist aus Ihrer Sicht die Pilatus-Arena eine gute Sache?
Das Projekt mit Halle und den beiden Häusern von 110 und 53 Metern ist städtebaulich und architektonisch von herausragender Qualität. Es passt zum aufstrebenden Mattenhof-Quartier und setzt Akzente, belebt es doch das Gebiet in Luzern-Süd. Zudem rundet es das Sportangebot mit der Luzerner Allmend ab und bietet somit ein eigentliches Kompetenzzentrum für den Sport. In einem zweistufigen Studienauftrag wurde in der ersten Phase der Städtebau geprüft und von der Jury und dem Beirat Städtebau einstimmig gutgeheissen. In der Jury sassen die Stadt Kriens, Experten von Luzern-Süd sowie weitere ausgewiesene Fachleute.

Viktor Rüegg, Präsident des Referendumskomitees «Weniger ist mehr», sagt, die Pläne seien völlig überrissen. Was sagen Sie dazu?
Die verdichtete, hohe Bauweise verhindert, dass andernorts grüne Wiesen zubetoniert werden müssen. Auf kleinster Fläche entstehen rund 450 attraktive Wohnungen in allen Grössen. Das entspricht den Raumplanungs- und Baugesetzen von Bund und Kanton. Die Krienser Bevölkerung nahm dieses Raumplanungsgesetz 2013 mit 71 Prozent Ja-Stimmen wuchtig an. Das Grundstück am Mattenhof wurde aus 14 möglichen Standorten, die die Gemeinden Luzern, Kriens, Ebikon, Emmen und Horw eingegeben hatten, evaluiert. Der Standort wurde somit durch die zuständigen politischen Stellen und Personen der Region mit ausgewählt. Er wurde und wird mit seiner Lage, der Erschliessung und der Nähe zur Luzerner Allmend als perfekt eingestuft.

Ein anderes Argument der Projektgegner ist, dass in diesem Gebiet ohnehin bereits zu viel gebaut wird. Weshalb macht dieser Standort Sinn?
Die Pilatus-Arena liegt geografisch optimal. Sie ist mit einer S-Bahn-Station direkt erschlossen und liegt unmittelbar an der Langsamverkehrsachse von Luzern nach Kriens. Die Veranstalter setzen bei Anlässen deshalb voll auf den öffentlichen Verkehr und realisieren zudem über 1500 Veloparkplätze. Bei Grossanlässen gibt es weiter einen Verkehrsdienst, der dafür sorgt, dass die wenigen, die doch mit dem Auto anreisen, die vorgesehenen Parkplätze benutzen und nicht die Quartiere belasten. Das durchdachte Verkehrs- und Mobilitätskonzept ist vom Parlament vor dessen Zustimmung genau unter die Lupe genommen worden. Es ist auch so, dass das ausgewählte Grundstück am Mattenhof sowieso bebaut wird, da es bereits eingezont ist. Nun stellt sich die Frage, ob ein reiner Wohnbau mit einem Hochhaus realisiert wird oder ob eine Überbauung mit einer öffentlichen Nutzung für die Bevölkerung entstehen soll. Der Benefit für Kriens und die Zentralschweiz ist aus meiner Optik offensichtlich. 

Der HCKL hat bei seinen Spielen durchschnittlich 700, in den Playoffs rund 1400 Zuschauerinnen und Zuschauer. Sind 4000 Plätze nicht unverhältnismässig?
Es ist ja auch keine Handballhalle, sondern eine multifunktionale Sport- und Eventhalle. Natürlich wollen wir mit dem HC Kriens-Luzern auch wachsen und mehr Zuschauerinnen und Zuschauer anlocken. In den Playoffs können wir uns sehr gut vorstellen, dass wir die Halle zu einem grossen Teil füllen können. Bei Finalspielen sind wir überzeugt, dass die Sportfans die Pilatus-Arena zu einer Festhütte verwandeln und bis zum letzten Platz füllen werden. Die Sport- und Eventhalle weist mit 4000 Plätzen eine optimale Grösse auf und schliesst eine grosse Lücke im regionalen und im nationalen Hallenangebot. Deshalb wird sie auch von Bund und Kanton mit grosser Energie unterstützt. Ohne diese moderne Halleninfrastruktur können Hallenvereine im Spitzensport nicht mehr überleben, und der Nachwuchs kann nicht mehr gefördert werden. 

Welche Auswirkungen hätte die neue Halle für grössere Veranstaltungen und internationale Wettkämpfe?
Die bestehenden Hallen sind für europäische Wettbewerbe nicht mehr zugelassen, und das Fernsehen kann aufgrund der schlechten Verhältnisse keine Übertragungen mehr realisieren. Daher ist es in der Zentralschweiz nicht mehr möglich, nationale und internationale Wettkämpfe im Indoorsport durchzuführen. Veranstalter von Cupfinals, Länderspielen und internationalen Turnieren lassen die Zentralschweiz leider links liegen. Auch die für die Vereinsfinanzen wichtigen Angebote für Sponsoren sind nur mit der neuen Infrastruktur der Pilatus-Arena zu realisieren. Als Beispiel kann das letzte Europacup-Spiel von uns herangezogen werden. Da in der Zentralschweiz keine vernünftige Indoorhalle mehr zur Verfügung steht, die den internationalen Sportverbänden genügt, musste unsere Mannschaft das Heimspiel in Zürich austragen.

Die Halle wäre nicht nur für den Spitzensport gedacht.
Nein, die Pilatus-Arena schafft dringend benötigte Angebote für den Breiten- und den Nachwuchssport. Es entstehen Leistungszentren und wichtige Trainingsmöglichkeiten für die Vereine. Das neue Raumangebot kann während der Woche in maximal bis zu sechs Hallen für den Schul- und den Universitätssport unterteilt werden. Das bedeutet einen zusätzlichen grossen Benefit für die Stadt Kriens. Die Pilatus-Arena entlastet auch die bestehenden Hallen in der Stadt Kriens und schafft somit Freiraum für andere Sportarten in den bestehenden Infrastrukturen.

Wie sieht es mit den Kosten aus?
Von der Pilatus-Arena profitiert die Stadt Kriens auf der ganzen Linie: Sie erhält auf Stadtgebiet eine Halle, die die Vereine dringend benötigen, ohne einen einzigen Franken der Steuerzahler und Steuerzahlerinnen der Stadt Kriens zu investieren. Im Gegenteil: Neben den Entstehungskosten der Halle von 39 Millionen Franken zahlen die Verantwortlichen der Pilatus-Arena an die Stadt Kriens auch noch die reguläre Mehrwertabgabe von fast 6 Millionen Franken. Möglich ist eine solche Finanzierung der Halle nur dank der Querfinanzierung über die beiden Wohntürme und den Beiträgen von Bund und Kanton. Die vom Referendumskomitee aufgestellte Behauptung, Kriens verschenke Halleneigentum, ist schlicht gelogen. Nebst Arbeitsplätzen generiert die Pilatus-Arena insbesondere mit den über 170 Eigentumswohnungen zusätzliches Steuereinkommen. Das Projekt wurde über 13 Jahre sehr sorgfältig entwickelt. Deshalb ist es aus unserer Sicht auch möglich, dass es bei einer Realisierung der Pilatus-Arena nur Gewinner gibt.

Daniel Frank

Box: Das Wichtigste in Kürze
Auf dem Areal Mattenhof II in Kriens planen Initianten rund um die HC Kriens-Luzern AG, die Eberli AG und die Helvetia Versicherung eine moderne Eventhalle für 4000 Zuschauer, die in erster Linie Indoorsportarten dient. Die Pilatus-Arena kostet rund 39 Millionen Franken und ist Teil einer Gesamtbebauung. Finanziert wird die Pilatus-Arena durch die Mehr-wertabschöpfung, die durch eine höhere Ausnützungsziffer auf dem Grundstück entsteht, sowie durch Beiträge von Bund und Kanton Luzern und durch private Mittel. Der Betrieb der Halle ist ohne Betriebsbeiträge der öffentlichen Hand vorgesehen. 
www.pilatusarena.ch