22.02.2021

Die Vision von vollen Rängen

Das Amt des FCL-Präsidenten ist für Stefan Wolf eine Herzensangelegenheit. Bild: Dominic Schmid

Das Amt des FCL-Präsidenten ist für Stefan Wolf eine Herzensangelegenheit. Bild: Dominic Schmid

Stefan Wolf amtet seit wenigen Tagen als neuer FCL-Präsident. Wie es zum Wechsel im Präsidium kam und wie er sein Ziel eines vollen Stadions erreichen möchte, erzählt der ehemalige FCL-Profi im Interview.

Stefan Wolf, Sie treten die Nachfolge von Philipp Studhalter an. Warum brauchte es einen Wechsel im FCL-Präsidium?
Aktionär Josef Bieri und Verwaltungsrat Bruno Affentranger hatten den Wunsch, da sich eine Lösung in der Aktionärsfrage abzeichnete, den Club neu auszurichten. Sie wollten einen unabhängigen Verwaltungsrat mit sportlicher Kompetenz zusammenstellen und der obersten Etage auch ein passendes Gesicht geben. Deshalb haben sie mich im vergangenen Dezember kontaktiert. Ich fühlte mich geehrt und die Anfrage wurde für mich sogleich zur Herzensangelegenheit. 

War man mit der Arbeit Ihres Vorgängers unzufrieden?
Philipp hat einen wunderbaren Job abgeliefert und wertvolle Grundlagen geschaffen. Die Geschäftsstelle ist absolut in Takt. Das erleichtert mir meinen Start sehr. Der Wechsel kam mit dem erwähnten Wunsch nach einer Neuausrichtung und ist kein Zeugnis der geleisteten Arbeit. 

Gleichzeitig mit dem Stellenwechsel wurde auch der Aktionärsstreit gelöst. Wie stark waren Sie dabei involviert?
Gar nicht. Aber ich bin froh darüber, dass die ausscheidenden Mitglieder mit dem Verkauf ihrer Aktien den Weg für eine grundlegende Umgestaltung freigemacht haben. 

Neu besitzt Josef Bieri 48 Prozent der Aktienanteile. Diese sollen zu einem Teil wieder an Interessenten aus der Innerschweiz verkauft werden. Was ist das Ziel dahinter?
In erster Linie möchte die Leitung den Club in Innerschweizer Händen wissen. Das ist auch ein persönliches Anliegen meinerseits. Unser FCL soll nicht von Teilhabern aus dem Ausland geführt werden.

Für Bieri dürfte dies ein lukratives Geschäft werden. Er konnte sich die Anteile für einen symbolischen Betrag von 300 000 Franken kaufen. 
Das Aktionärsgeschäft ist nicht meine Aufgabe und geht mich im Endeffekt auch nichts an. Meine Aufgabe ist es, den FCL in eine positive Zukunft zu bringen. 

Für eine solche Zukunft braucht es auch positive Zahlen. Wie steht es derzeit finanziell um den FCL? Einen Kredit musste der Club ja bereits in Anspruch nehmen. 
Uns geht es wohl wie allen Clubs der beiden Profi-Ligen: Ohne Fans fehlen überlebenswichtige Einnahmen. Derzeit ist ungewiss, wann Besuche im Stadion wieder erlaubt werden und in welchen Mass. Solange diese Ungewissheit anhält, lassen sich keine konkreten Aussagen über die finanzielle Lage machen. 

Die Anzahl Zuschauerinnen und Zuschauer im Stadion war bereits vor der Pandemie ein Thema. Im Schnitt besuchten immer weniger Leute die Spiele des FCL. Wie wollen Sie wieder für volle Ränge sorgen?
Indem alle den FCL wieder spüren. Wir werden nahe an unseren Fans, Sponsoren und Partnern sein, damit die ganze Innerschweiz sich wieder mit diesem tollen Club identifizieren kann. Das verlangt natürlich nach viel Arbeit und auch viel physischer Präsenz. Das gilt nicht nur für mich, sondern für den ganzen FC Luzern. 

Nähe und Vertrauen aufzubauen baucht aber bekanntlich Zeit. Wie soll der Wandel trotzdem zeitnah gelingen?
Die ersten Reaktionen auf diese Grunderneuerung beim FCL waren durchweg äusserst positiv. Dadurch entstand verständlicherweise auch eine gewisse Erwartungshaltung. Dieser wollen wir gerecht werden. Das bedarf eines Prozesses, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen sein wird. 

In Ihrer aktiven Zeit war die Allmend oft rappelvoll. Auch als Sie mit dem FCL Cup-Sieger wurden. Der heutige FCL träumt wieder von einem Pokal. Halten Sie an dieser Vision fest?
Derzeit halte ich nicht daran fest. Meine Vision ist es, die ganze Innerschweiz wieder in unser Stadion zu bringen. Dank vollen Rängen werden wir automatisch auch wieder Erfolg haben. Mit einer solchen Vorwärtsstrategie werden auch grössere Ziele erreichbar. 

Unter Ihnen soll auch der Streit beim Frauenfussball geklärt werden. Haben Sie da schon konkrete Pläne?
Die gibt es derzeit noch nicht. Ich bin noch daran, die Organisation kennen zu lernen. Es gilt auch finanzielle und infrastrukturelle Fragen zu klären. Den Frauenfussball zu integrieren, ist aber ganz klar ein Bedürfnis von mir.

Auch eine Integration in die AG, wie dies schon gewünscht wurde?
Das kann sein. Denn auch diese Frage muss geklärt und von beiden Seiten besprochen werden. Ich bin offen für solche Gespräche. 

Auch der Verwaltungsrat wurde frisch bestückt. Welche Erwartungen richten Sie an das neue Gremium? 
In erster Linie möchte, dass der FCL als Team funktionieren kann. Das gilt nicht alleine für den Verwaltungsrat, sondern auch für die Aktionäre und die gesamte Organisation. Ich weiss, wo meine Stärken liegen und wo ich auf die Unterstützung der weiteren Elemente zählen muss. Dieses Zusammenspiel ist elementar für die erfolgreiche Zukunft unseres FCL.

Wie werden Sie Ihre Rolle als Präsident in Bezug auf die 1. Mannschaft auslegen? Wird man Sie neben den Spielern auf der Bank antreffen, wie dies beispielsweise in Sion oder Zürich gerne der Fall ist?
Natürlich werde ich dem Team nahe sein wollen. Als ehemaliger Fussballprofi ist das ein Anliegen und auch mein Interesse. Jedoch liegt es mir absolut fern mich bei den Verantwortlichen, sprich Trainer und Sportchef, einzumischen. Entsprechend wird man mich an den Spielen ganz normal auf der Tribüne antreffen – nah am Verein und mit einem stets offenen Ohr.

Lukas Z’berg