01.03.2021

Nervosität wie zu Schulzeiten

Für den Wahlluzerner Seven war auch die zweite Staffel von «Sing meinen Song» eine emotionale Angelegenheit. Bild: PD

Für den Wahlluzerner Seven war auch die zweite Staffel von «Sing meinen Song» eine emotionale Angelegenheit. Bild: PD

Morgen startet auf TV24 die zweite Staffel der Schweizer Ausgabe von «Sing meinen Song». Seven ist erneut Gastgeber der Sendung und verrät im Interview, welche Momente ihn besonders berührt haben.

Seven, am Mittwoch startet die zweite Staffel von «Sing meinen Song». Was erwartet die Zuschauer und Zuschauerinnen?
Seven: Die Sendung zeigt genau das, was sie verspricht: viel Musik, Geschichten und Emotionen. Es gibt unzählige Shows, in denen Musik stattfindet, sie aber immer nur eine Nebensache ist. «Sing meinen Song» ist sozusagen eine Anti-Sendung: Es geht dabei nur um die Musik und die Menschen und ihre Geschichten, die dahinterstehen. Jeden Abend steht jemand anderes im Fokus und lässt die eigenen Songs von den anderen Musikerinnen und Musikern interpretieren. 

Wie ist es für einen Künstler, wenn jemand anders seine Songs singt?
Es fühlt sich an, als würde man sein eigenes Tagebuch hören: An jedes Lied ist immer eine ganz persönliche Lebensgeschichte geknüpft. Dadurch entstehen sehr emotionale Momente, die weder durch ein Skript noch eine Regie gesteuert werden.  Wir haben jeden Sendungsabend ganz spontan entstehen lassen. Und haben nur eine Pause gemacht, wenn jemand mal aufs WC musste. (lacht)

Du bist nun bereits zum zweiten Mal der Host dieser Sendung – liegt dir die Rolle des Gastgebers? 
Für mich ist es etwas vom Schönsten, wenn ich einladen darf. Auch zu Hause sind meine Frau und ich sehr gerne Gastgeber. Bereits in meiner Jugendzeit habe ich unter meinen Freunden die Führung übernommen und geschaut, dass niemand zu kurz kommt. Nach über 30 Jahren Banderfahrung habe ich inzwischen auch ein gewisses Feingefühl entwickelt, welche Leute zusammenpassen. Zudem bin ich ein Zeiger – ich liebe es, anderen Dinge zu zeigen, die mich begeistern, und meinem Umfeld damit auf die Nerven zu gehen. (lacht) In der Sendung kommt mein Zeiger-Gen voll auf seine Kosten: Ich darf jeden Abend grossartige Künstlerinnen und Künstler präsentieren.

Hast du dich auf eine Musikerin oder einen Musiker besonders gefreut? 
Das wäre jetzt, wie wenn ich gefragt würde, welches Kind ich lieber habe. Aber ein besonderer Moment war für mich die Zusage von Beatrice Egli. Ich kannte sie im Vorfeld noch nicht persönlich, dachte mir aber, dass es der Wahnsinn wäre, wenn sie mitmachen würde. Also habe ich sie einfach angerufen.

Wie hat sie reagiert?
Wir haben über eineinhalb Stunden miteinander telefoniert und gleich gemerkt, dass wir ähnliche Werte haben und uns die gleichen Sachen wichtig sind. Am Schluss des Gesprächs hat sie ohne weitere Bedenkzeit kurzerhand zugesagt. Das fand ich grossartig und hat mich extrem gefreut. Für mich als Host ist das eine grosse Ehre, die aber auch Verantwortung mit sich zieht. Die eingeladenen Musikerinnen und Musiker bringen mir sehr viel Vertrauen entgegen, dem ich in der Sendung unbedingt gerecht werden will. 

Du stehst als Gastgeber ja auch selbst auf der Bühne und interpretierst die Lieder der anderen Musiker. Welcher Song hat dich am meisten gefordert?
Die Lieder, welche meinem Musikstil am meisten ähneln, sind für mich am schwierigsten. 
 
Weshalb?
Das klingt auf den ersten Moment komisch, aber eigentlich ist es logisch. Ein Lied von Beatrice Egli klingt bei mir automatisch total anders, weil mein Stil so komplett verschieden ist. Da braucht es nicht mehr viel, damit eine eigene Version entsteht. Bei Ta’Shan war es für mich hingegen viel schwieriger, weil wir uns musikalisch ähnlicher sind. Deshalb habe ich bei der Interpretation ihres Songs auf ein Musik-Genre aus meiner Vergangenheit zurückgegriffen und eine völlig andere Karte ausgepackt – mehr verrate ich aber noch nicht. (lacht)

Was macht dich nervöser: Auf der grossen Bühne vor Tausenden von Zuschauern aufzutreten oder vor deinen Musikkolleginnen und -kollegen im kleinen Kreis?
Ich glaube, auf diese Frage würden alle, die bei der Sendung bislang mitgemacht haben, gleich antworten. Wenn du vor grossem Publikum auftrittst, bist du natürlich nervös. Diese Nervosität ist aber nichts im Vergleich zum Lampenfieber, das du hast, wenn du vor einem so kleinen Zuschauerkreis auftrittst, bei dem du jedes Niesen hörst.

Weshalb ist da die Nervosität so viel grösser?
In der Sendung sitzen im Publikum alles Profis, die genau wissen, wie es geht, und alles hören und sehen. Zudem hast du den Urheber des Songs direkt vor dir. Bei diesem Auftritt stehst für einmal nicht du als Musiker im Fokus. Es geht vielmehr darum, was den anderen gefällt, was du aus ihren Songs gemacht hast. Das macht einen so nervös, dass selbst der gestandenste Musiker sich fühlt wie ein Kind zu Schulzeiten, das vor der Klasse einen Vortrag halten muss. 

Welches war dein Highlight oder emotionalster Moment dieser Staffel?
Ich hätte nie erwartet, dass auch diese Staffel wieder so unglaublich emotional und tränenreich wird. Ich durfte einige Momente erleben, die mich sehr berührt haben. In der ersten Sendung, die morgen ausgestrahlt wird, interpretiere ich einen Song von Dodo. Als ich dieses Lied bei der Songauswahl zum ersten Mal gehört habe, hat mich schier der Schlag getroffen. Dodo erzählt in diesem Lied genau meine Geschichte. Ich konnte es kaum fassen und musste mich überwinden, dieses Lied zu wählen. Es berührte mich dermassen, dass ich nicht wusste, ob ich es schaffe, es live zu performen. 

Gibt es ein weiteres Highlight, das du bereits verraten kannst?
Ein anderer besonderer Moment war, als ich mit dem Song von Adrian Stern auf der Bühne stand. Er war schon immer ein Vorbild für mich und obwohl wir beide im Aargau aufgewachsen sind, haben sich unsere Wege bislang nie gekreuzt. Als ich während meines Auftritts merkte, wie sehr ihn meine Interpretation des Songs berührt, hat mich das total überwältigt. 

Worauf freust du dich nun nach der Sendung 2021?
Wir freuen uns natürlich, wenn wir wieder einmal Konzerte geben können. Genau vor einem Jahr habe ich mein letztes Album veröffentlicht. Leider konnten wir es bislang noch nie vor Publikum spielen. Zurzeit bin ich weiterhin viel am Musikmachen und bin schon sehr weit für ein nächstes Album. Wann ich es veröffentlichen werde, weiss ich aber noch nicht.  Ich möchte ein Konzertloch möglichst vermeiden. In der Sendung vom 16. April werde ich einen meiner neuen Songs erstmals singen. Ein kleiner Vorbote des nächsten Kapitels, das folgen wird.

Anna Meyer

 

Sendehinweis: «Sing meinen Song», jeweils mittwochs, 20.15 Uhr auf TV 24.