06.04.2021

Weniger Strenge, mehr Menschlichkeit

Als Kind wollte Markus Hesse wie sein Onkel Koch auf einem Überseeschiff werden. Bild: PD

Als Kind wollte Markus Hesse wie sein Onkel Koch auf einem Überseeschiff werden. Bild: PD

Markus Hesse ist seit gut vier Jahren Geschäftsführer von Emil Frey, Ebikon und Kriens. Im Interview spricht er darüber, wie er mit Kritik umgeht, über seinen Führungsstil und über seine Karriereplanung.

Markus Hesse, wie sieht Ihre berufliche Ausbildung aus?
Ich bin gelernter Maschinenmechaniker und Automechaniker, Automobildiagnostiker. Zudem habe ich mein Diplom in Betriebsökonomie gemacht.
 
Haben Sie Ihre berufliche Laufbahn von Anfang an vor sich gesehen?
Nein, ich habe immer in jeder Funktion mein Bestes gegeben und wollte auch immer zu den Besten gehören. Ich habe schnell gemerkt, dass mir Arbeiten Freude macht und machen soll. Wenn ich so viel Zeit pro Tag in etwas investiere, dann möchte ich dabei auch viel Freude und Genugtuung erfahren.
 
Oft verändern sich die Berufswünsche im Leben. Was war im Kindesalter Ihr erster Berufswunsch?
Wahrscheinlich war es Koch auf einem Überseeschiff, inspiriert hatte mich ein Onkel dazu. Seine Arbeit hat mich mächtig beeindruckt.

Worauf sind Sie in Ihrer Laufbahn besonders stolz?
Dass ich immer mit tollen Menschen zusammen vieles gestalten und optimieren konnte und kann. Zudem die Chance erhalten zu haben, von ganz vielen und besonderen Menschen zu lernen und entwickelt zu werden, war und ist ein Geschenk. Das ist unbezahlbar.

Nicht jeder ist ein geborener Chef. Ist kompetente Unternehmensführung also erlernbar?
Da müsste man wohl zuerst definieren, was man unter kompetenter Führung versteht. Aber wenn ich davon ausgehe, dass ich die Frage richtig interpretiere, dann ja. Man kann sehr viel lernen, aber das Interesse am Menschen ist in der Führungsaufgabe für mich eine sehr wichtige Eigenschaft – wer die Menschen nicht wirklich mag, wird nach meiner Fasson kein guter Chef werden. Da stellt sich jetzt die Frage, ob man Menschen mögen erlernen kann.

Wie lauten Ihre wichtigsten Führungsgrundsätze?
Ich finde den Leitgedanken von Sunzi (chinesischer General und Philosoph, 544 v. Chr., Anmerkung der Redaktion) sehr treffend: Führerschaft ist eine Sache der Intelligenz, der Glaubwürdigkeit, der Menschlichkeit, des Mutes und der Strenge. Jeder General hat von diesen fünf Dingen bereits gehört. Diejenigen, die sie beherrschen, werden triumphieren; diejenigen, die sie nicht beherrschen, werden scheitern.

Haben sich Ihre Führungsprinzipien in den letzten Jahren verändert?
Die Strenge ist wohl etwas zugunsten der Menschlichkeit, und manche sagen auch zugunsten der Intelligenz, gewichen.

Darf ein Chef auch Schwächen zeigen?
Kommt auf die Ausprägung an. Mensch sein darf und soll man zeigen, wenn dadurch die Vorbildfunktion oder die Unternehmensziele nicht infrage gestellt oder gefährdet werden.
 
Welche sind es bei Ihnen?
Da müsste man meine Mitarbeitenden fragen. Ich bin aber sicher, da gäbe es schon welche (lacht).
 
Was geht Ihnen auf die Nerven?
Versprechen, die nicht gehalten werden, vorschnelle, undurchdachte Verlautbarungen und Entscheidungen, die in der Folge revidiert werden müssen. Ich meine jetzt nicht Frau Merkel. Für mein Empfinden wird heutzutage oft zu viel zu schnell, ohne ordentliche Lagebeurteilung, beschlossen und verabschiedet. Das führt dann bei einer Änderung zu Unverständnis und Verärgerung bei Mitarbeitenden und auch in der Bevölkerung.

Worüber können Sie herzlich lachen?
Bei Situationskomik, wie sie nur das Leben zeichnen kann, und über mich selbst.
 
Was sagen Ihre Mitarbeitenden über Sie?
Das möchte ich auch wissen.
 
Wie reagieren Sie auf Kritik?
Gibt mir regelmässig viel und führt auch zum Nachdenken – Kritik beschäftigt mich.
 
Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke beruflich und privat?
Der Stellenwert sozialer Netzwerke in der Gesellschaft nimmt deutlich zu und erfährt Anerkennung. Somit wird es für unsere Firma ebenfalls zusehends wichtig, hier am Ball und im Spiel zu bleiben. Trotz aller Digitalisierung möchte ich festhalten, dass mir persönlich der physische und «analoge» Austausch immer noch am liebsten ist.

Gibt es im Unternehmen spezielle Massnahmen zur Teamentwicklung?
Es gilt bei uns die Philosophie, dass wir nur als Team gewinnen können und so jeder für jeden einstehen muss – ebenfalls versuchen wir, die Erfolge zu feiern und dies auch in passenden Situationen herauszuheben.
 
Stellen Sie sich vor, Sie würden nochmals am Anfang Ihrer Karriere stehen: Würden Sie nochmals dasselbe erlernen oder studieren, oder wäre es etwas anderes?
Mein Weg war so spannend, lehrreich und bereichernd, dass ich denselben Weg nochmals beschreiten würde – ich möchte doch wieder nach Luzern kommen (lacht).

Wann und wobei können Sie wirklich abschalten?
So richtig ganz abschalten fällt meinem Naturell eher schwer – sind doch die Gedanken immer wieder in irgendeiner Konstellation mit dem Geschäftlichen verbunden. Entspannt und eher abschweifend bin ich in guter Gesellschaft beim Sinnieren und Philosophieren – da kann ich dann schon mal eher Distanz gewinnen.

Elma Softic/Marcel Habegger