09.06.2021

Doch kein Stuntman

Der 47-jährige ist seit Anfang Mai der neue Geschäftsführer der EWL. Bild: PD

Der 47-jährige ist seit Anfang Mai der neue Geschäftsführer der EWL. Bild: PD

Der neue CEO der EWL gibt einen persönlichen Einblick in seine Laufbahn und seinen Führungsstil. Patrik Rust verrät auch, dass er in einigen Situationen manchmal etwas zu sachlich ans Werk geht.

Patrik Rust, was ist Ihre berufliche Ausbildung?
Nach meiner Lehre als Radio- und Fernsehelektriker habe ich am Technikum Horw Elektroingenieur studiert. Es folgten Weiterbildungen zu den Themen Betriebswirtschaft und Leadership an Hochschulen in Bern und Luzern.
 
Haben Sie Ihre berufliche Laufbahn von Anfang an vor sich gesehen?
Nein. Jede neue Funktion hat wieder Perspektiven für weitere Entwicklungen  eröffnet. Auch Zufall und Glück haben meinen Weg begleitet.

Was war Ihr erster Berufswunsch als Kind?
Beeindruckt von der Serie «Colt Seavers», wollte ich als zehnjähriger Stuntman werden. Heute bin ich weniger draufgängerisch.

Worauf sind Sie in Ihrer Laufbahn besonders stolz?
Es ist mir stets gelungen, das Vertrauen meiner Vorgesetzten und meiner Mitarbeitenden zu gewinnen. In einer solchen Konstellation kann man schnell viel erreichen, und es macht vor allem Spass.

Ist kompetente Unternehmensführung erlernbar?
Werkzeuge und Methoden sind lernbar. Die Umsetzung in die Praxis erfordert aber viel Gespür für Menschen und Situationen. Dies kommt erst mit der Erfahrung.

Darf ein Chef bzw. eine Chefin auch Schwächen zeigen?
Führung hat viel mit Glaubwürdigkeit zu tun. Seine Schwächen zu zeigen, trägt zur Glaubwürdigkeit bei und erhöht so auch die Wirkung in der Führung.

Welche sind es bei Ihnen?
Ich bin eine eher sachlich orientierte Person. Etwas mehr Emotionalität könnte in bestimmten Situationen helfen.

Was geht Ihnen auf die Nerven?
Grundsätzlich bin ich ein geduldiger Mensch. Wenn jemand mein Vertrauen missbraucht, ist dies aber für mich unverzeihlich. 

Wie lauten Ihre wichtigsten Führungsgrundsätze?
Sinnstiftende Ziele vorgeben. Auf dem Weg dahin Rahmenbedingungen definieren, Vertrauen schenken und Freiheiten lassen. Das Wichtigste ist jedoch, mit gutem Beispiel vorauszugehen und den Mitarbeitenden mit Respekt auf Augenhöhe zu begegnen.

Was sagen Ihre Mitarbeitenden über Sie?
Dass ich gradlinig und konsequent bin. Dass ich gut zuhören kann und die notwendige Unterstützung gebe. 

Worüber können Sie herzlich lachen?
Ein Blick in den Spiegel genügt meistens … Am liebsten lache ich über Sachen, die sich aus alltäglichen Situationen heraus ergeben.

Wie reagieren Sie auf Kritik?
Ich bin selber wohl mein grösster Kritiker. Kritik ist ein Antrieb für Verbesserungen.

Welchen Stellenwert haben für Sie soziale Netzwerke beruflich und privat?
Privat habe ich nicht das Bedürfnis, der ganzen Welt Fotos von mir und meiner Familie zu präsentieren. Beruflich haben sie aber einen grossen Stellenwert. Sie sind ein gutes Mittel, um das Unternehmen zu positionieren, Mitarbeitende zu gewinnen oder für den fachlichen Austausch. 

Haben sich Ihre Führungsprinzipien in den letzten Jahren verändert?
Die Schwerpunkte haben sich über die Zeit immer mehr von der Sache in Richtung Mensch verschoben.

Gibt es im Unternehmen spezielle Massnahmen zur Teamentwicklung?
Zur Kultur der EWL gehört es, Ziele gemeinsam zu erreichen, sich entsprechend gegenseitig zu unterstützen und Erfolge zu feiern. Dies hat durch die Homeoffice-Pflicht entsprechend gelitten und verdient in nächster Zeit ein besonderes Augenmerk. 

Stellen Sie sich vor, Sie würden nochmals am Anfang Ihrer Karriere stehen: Würden Sie nochmals dasselbe erlernen oder studieren oder wäre es etwas anderes?
Dies ist eine etwas philosophische Frage. Ich denke, wichtig ist, immer das zu tun, wo man Leidenschaft entwickeln kann. Das hat bis jetzt ganz gut funktioniert.

Zum Abschluss: Wann und wo können Sie wirklich abschalten?
Einerseits im Umfeld von vertrauten Menschen und anderseits, wenn ich ganz bei mir bin. Beispielsweise beim Joggen oder beim Klettern. 

Elma Softic/Marcel Habegger