22.11.2021

27 Kilometer Velohauptrouten in zehn Jahren

Beim Veloweg auf dem ehemaligen Zentralbahntrassee ist die geforderte Mindestbreite gemäss Initiative nicht gegeben. Er würde somit nicht als Velobahn zählen oder müsste ausgebaut werden. Bild: Stadt Luzern

Beim Veloweg auf dem ehemaligen Zentralbahntrassee ist die geforderte Mindestbreite gemäss Initiative nicht gegeben. Er würde somit nicht als Velobahn zählen oder müsste ausgebaut werden. Bild: Stadt Luzern

Der Stadtrat hat einen Gegenvorschlag zur Initiative «Luzerner Velonetz jetzt!» erarbeitet. Sein Ziel ist, in der Stadt Luzern innerhalb von zehn Jahren ein 27 Kilometer langes Netz aus Velohauptrouten zu realisieren. Mit dem Gegenvorschlag nimmt der Stadtrat die Grundanliegen der Initiantinnen und Initianten auf. Die Rahmenbedingungen passt er aber so an, dass ein qualitativ gutes Netz realisiert werden kann, das wichtige Quell- und Zielorte verbindet. Für die Umsetzung beantragt der Stadtrat einen Sonderkredit von 19,53 Mio. Franken. Die Volksabstimmung findet voraussichtlich am 15. Mai 2022 statt.

Im Oktober 2020 wurde die Initiative «Luzerner Velonetz jetzt!» eingereicht. Sie verlangt, dass das Reglement für eine nachhaltige städtische Mobilität ergänzt wird. Die Initiantinnen und Initianten wollen innerhalb von zehn Jahren ein mindestens 20 Kilometer langes Netz aus sternförmigen sowie tangentialen Velobahnen. Sie sollen weitgehend getrennt von Fuss- und motorisiertem Individualverkehr geführt werden und je Fahrtrichtung eine Breite von mindestens zwei Metern aufweisen. Der Stadtrat ist mit den Grundanliegen der Initiative einverstanden und hat sie auf ihre Umsetzbarkeit überprüft.

 

Kaum realisierbare Forderungen

Diese Überprüfung hat gezeigt, dass ein Velobahnnetz, wie es in der Initiative gefordert wird, innerhalb von zehn Jahren nur schwierig realisiert werden kann. Grund dafür sind die Forderungen bezüglich der Bahnbreite und der Trennung vom Fuss- und motorisierten Verkehr. Dies hätte zur Folge, dass an einigen Orten Massnahmen wie Landerwerbe oder Eingriffe in Grünräume oder Vorgärten notwendig wären, die kaum realisierbar oder unverhältnismässig teuer wären. Die geforderten Mindestbreiten würden aus Sicht des Stadtrates verursachen, dass Lücken im Netz nicht geschlossen, wichtige Ziele über grössere Entfernungen nicht mit dem Velobahnnetz verknüpft und einzelne Quartiere nicht erschlossen werden können. Dies zeigt sich unter anderem am Beispiel Freigleis: Da beim Veloweg auf dem ehemaligen Zentralbahntrassee die geforderte Mindestbreite gemäss Initiative nicht gegeben ist, würde er nicht als Velobahn zählen oder müsste ausgebaut werden. 

 

Flexibel auf Situation reagieren

Der Stadtrat spricht deshalb in seinem Gegenvorschlag nicht von Velobahnen, sondern von Velohauptrouten, die als Velostrassen, Radwege oder Radstreifen geführt werden. Deren Ausgestaltung basiert auf den Standards für den Veloverkehr der Stadt Luzern, in der Regel mit einem Minimalmass von 1,8 und einem Optimalmass von 2,5 Metern. In dieser Spannbreite sollen jeweils je nach Situation und Bedarf die optimalen Breiten für Velowege und Velostreifen definiert werden. Die Überprüfung hat zudem gezeigt, dass auch die weitgehend vom motorisierten Individualverkehr getrennte Verkehrsführung nur schwierig erfüllt werden kann. Der Stadtrat schlägt deshalb vor, «weitgehend» durch «nach Möglichkeit» zu ersetzen.

 

27 Kilometer in zehn Jahren

Der Stadtrat ist überzeugt, mit dem Gegenvorschlag eine gute Lösung anzubieten. Sein Ziel ist ein durchgängiges, sternförmiges und tangentiales Velohauptroutennetz, das wichtige Quell- und Zielorte wie Stadtzentrum, Altstadt, Bahnhöfe und Quartiere verbindet. Dank der Anpassungen wird es möglich sein, innerhalb von zehn Jahren ein Netz von 27 Kilometern zu schaffen, dass den Standards für den Veloverkehr der Stadt Luzern entspricht. Der Stadtrat zeigt in seinem Gegenvorschlag auch auf, wie er das Velohauptroutennetz realisieren will, und beantragt dafür einen Sonderkredit von 19,53 Mio. Franken. 

 

Neue Reussquerung 

2 Millionen Franken des Kredits sind für die Planung einer neuen Reussquerung im Bereich des Reusszopfes reserviert. Grund dafür ist der Xylofonweg. Wegen seiner geringen Breite von maximal drei bis vier Metern und der hohen Nutzung durch Zufussgehende und Velofahrende kommt es auf dieser wichtigen Verbindung Richtung Norden immer wieder zu Konflikten. Ein Ausbau ist aufgrund der engen räumlichen Verhältnisse, der Begrenzung durch die Bahnlinie und die Querung der Bahngleise nicht oder nur sehr schwierig und mit einem unverhältnismässigen Aufwand möglich. Der Stadtrat will deshalb den bestehenden Veloweg auf der rechten Uferseite verbessern und attraktivieren und über eine Brücke beim Reusszopf Richtung Seetalplatz, Reussbühl und Emmenbrücke führen.

Urs Dossenbach, Projektleiter Kommunikation Stadt Luzern